Dringend empfohlen sei die folgende Lektüre, die als Einstieg in das Thema dient.

 

    ".......... Die Perspektiven für den Agrarstandort Deutschland sind nicht vorgegeben, sondern hängen von dem ab, was Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus den gegebenen Möglichkeiten machen.

    Die Grundvoraussetzungen sind günstig: Natürliche Bedingungen, die im Hinblick auf ihre Eignung für die Agrarproduktion zu den besten der Welt zählen;

    hoher technischer Entwicklungsstand und hoher Ausbildungsstand in der Landwirtschaft, die eine effiziente Produktion mit modernster Technologie ermöglichen;

    ein großer und kaufkräftiger europäischer Markt für Agrarprodukte in unmittelbarer Nähe und eine zumindest längerfristig steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt;

    Landschaften, die bei standortangepasster differenzierter Nutzung wegen ihrer Vielfalt und Schönheit hohe Ansprüche der Gesellschaft in bezug auf Erholung, Freizeit und Landschaftsästhetik befriedigen können....

    ....... Diesen positiven Grundvoraussetzungen stehen jedoch wesentliche Entwicklungshemmnisse entgegen: Eine Gesellschaft, die in großen Teilen ein verbiestertes Bild von Landwirtschaft hat und mit daraus resultierenden Forderungen zunehmend Effizienzhemmnisse für die Agrarproduktion aufbaut,

    ....... Wir leben in einer Welt mit knappen natürlichen Ressourcen, bei deren Nutzung Effizienskriterien nicht einfach beiseite geschoben werden können. Das gilt insbesondere für die Landwirtschaft. Die Welt hat nicht viele gute Agrarstandorte. ......

    ... Der Öffentlichkeit muß in stärkerem Maße bewußt gemacht werden, daß der Produktion von Nahrungsmitteln ein mindestens ebenso hoher moralischer und politischer Stellenwert einzuräumen ist wie dem Naturschutz.

    Angesichts des dynamischen Wachstums der Weltbevölkerung sowie der knappen natürlichen Ressourcen und begrenzten Belastbarkeit des globalen Ökosystems ist die Verweigerung intensiver Agrarproduktion sowie technischer und biotechnischer Neuerungen in der Landwirtschaft ökologisch unverantwortlich und auch inhuman, weil sie heute notleidenden Menschen und zukünftigen Generationen die Chancen auf ein besseres Leben verwehrt ....

    ....... In der öffentlichen Diskussion um die Agrarpolitik dominieren heute (1996) die Erwartungen des nicht landwirtschaftlichen Teils der Gesellschaft. Dabei treten umweltpolitische und sozialpolitische Überlegungen mehr und mehr in den Vordergrund, wirtschaftliche Gesichtspunkte und Erfordernisse kommen in der öffentlichen Auseinandersetzung und in der Politik selbst zu kurz. .......

    ... Die gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft sind vielfältig: Nahrungsmittelerzeugung, Landschaftsgestaltung, Naturpflege, Erhaltung der Lebensqualität ländlicher Räume, Erhaltung natürlicher Ressourcen. Die Nachfrage nach so unterschiedlichen Gütern kann ein einzelner landwirtschaftlicher Betrieb nicht gleichzeitig und nebeneinander auf effiziente Weise befriedigen. .........."

    Aus:  AGRARWIRTSCHAFT 45 (1996) Heft 12  Cay LANGBEHN: Fit machen für den Wettbewerb